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Bericht aus der Broschüre Klimaschutz in Nordelbien / Oktober 2009


Missionszentrum baut energieeffizient für Gäste aus aller Welt

Wärmedämmung und intelligente Technik reduzieren Ressourcenbedarf und Emissionen des Neubaus in Hamburg-Othmarschen.

In unmittelbarer Nachbarschaft des ehemaligen Missionskinderheims, in dem sich seit 1971 die Geschäftsstelle des Nordelbischen Missionszentrum (NMZ) befindet, ist ein Neubau mit fast 300 Quadratmetern Nutzfläche entstanden.

Das NMZ in Hamburg-Othmarschen erhält ein dringend benötigtes Gästehaus, in dem vor allem Besucher aus den Partnerkirchen in Indien, China, Kenia, Tansania, Nahost und anderen Regionen der Erde während ihres Aufenthaltes in Hamburg wohnen werden. „Ein Haus ganz neu zu errichten, ist heutzutage im kirchlichen Bereich selten und etwas Besonderes“, sagt Brigitte Richter, Geschäftsführerin des NMZ. „Umso mehr haben wir die Verpflichtung gesehen, den Neubau in ökologischer Hinsicht nach neuestem Standard zu planen und in der künftigen Nutzung möglichst klimaschonend und kostengünstig zu betreiben.“

Diese Ansprüche wurden bereits bei der umfassenden Renovierung des Altbaus in 2002 ins Auge gefasst. Hier wird seitdem das in einem Erdtank rückgewonnene Regenwasser zur Toilettenspülung genutzt. Dieses System zur wirksamen Reduzierung des Frischwasserverbrauchs wird auch im neuen Gästehaus zum Einsatz kommen. 2007 ist erneut in die Wärmedämmung zur Senkung der Energiebedarfs investiert worden: In die Außenwände, die in doppelschaliger Bauweise errichtet wurden, sind Kunststoffperlite in den bestehenden Hohlraum eingespritzt worden. Hier zeichnet sich bereits eine spürbare Energiekosten-Einsparung ab. Die Villa wurde 1905 – gestiftet vom Hamburger Bankier Donner – als Missionsheim für die Kinder von Missionarinnen und Missionaren gebaut. Baubeginn für den Neubau war im Frühsommer 2008. Vorangegangen waren viele Planungsgespräche, umfangreiche Recherchen und eine gründliche Ausarbeitung des Bauvorhabens. Architekt des zweigeschossigen Baus ist Dietrich Wendt, Ridder & Meyn das beteiligte Ingenieursbüro. Seitens des NMZ betreute Brigitte Richter das Projekt. Die Beteiligten waren sich einig, ein Haus zu errichten, das sich bei der Wärmedämmung und Energieeffizienz am KfW 40-Standard orientiert.

Dämmstärke im Vergleich mit einem Gesangbuch

Im Ergebnis greift eine ganze Reihe von baulichen und technischen Maßnahmen ineinander, um die angestrebte energetische Optimierung des Baus zu realisieren. Stattliche 50 Zentimeter sind die Außenwände dick. Die Dämmschicht aus Mineralwolle misst allein gut 20 Zentimeter. Unter dem Dach sind es sogar 24 Zentimeter, bei der Decke des ungeheizten Kellers sind es noch 10 Zentimeter. Die Fußbodenheizung ist auf 35°C Niedertemperatur ausgelegt, die eine kleine Gastherme mit Unterstützung der zwölf Quadratmeter großen Solarthermie-Anlage bereitstellt. Die Solarkollektoren auf dem Dach sorgen ganzjährig für warmes Brauchwasser zum Waschen, Duschen und Kochen. Die Sonnenstrahlen erhitzen per Wärmetauscher den Warmwasserspeicher mit 750 Liter Inhalt. Der geringe Energieverbrauch des neuen Gästehauses wird auch durch den Einbau einer ausgeklügelten Belüftungsanlage, die nur wenig Strom benötigt, möglich. Die Lüftung der Wohnräume durch geöffnete Fenster wird nahezu überflüssig, da Frischluft aus dem angrenzenden Wäldchen gesaugt, in die Räume geführt und verbrauchte Luft auf dem gleichen Weg hinaus gepustet wird. Alle künftigen Gäste werden von daher eine kurze Einführung ins ‚kontrollierte Lüften‘ und damit Energiesparen erhalten.

Im Januar 2009 wurde der Neubau feierlich einweiht. Jetzt stehen im Erdgeschoss drei Gästeappartements und eine Wohnküche für Besucherdelegationen bereit. Das Dachgeschoss ist für ökumenische Mitarbeitende aus Übersee vorgesehen, das Obergeschoss wird zunächst vermietet. „Unsere Zielsetzung war es, ein intelligentes Haus zu errichten, das wenig Energie verbraucht und damit wenig CO₂ produziert. Das werden wir erreichen“, bilanziert Brigitte Richter, „und die erforderlichen Betriebskosten bleiben sehr überschaubar.“

Klimafreundliche Veranstaltungen

Wir hätten da mal ein paar Fragen...

Wer Klimagerechtigkeit fordert, muss bei sich selbst anfangen. Deshalb bietet die Hamburger Infostelle Klimagerechtigkeit des Zentrum für Mission und Ökumene ein Konzept an, wie Veranstaltungen klimafreundlich durchgeführt werden können. Dies soll in der Nordkirche Schule machen.

Donnerstagnachmittag im Februar, ein Tag vor Beginn der ersten Jugendklimakonferenz der Nordkirche. Wir telefonieren mit Heike Hackmann vom Organisationsteam und gehen die Details durch. Uns interessiert der Verbrauch der Gasheizung in Kilowattstunden, die Quadratmeterzahl der Tagungsräume, die Grammatur des verwendeten Kopierpapiers, der Speiseplan der nächsten drei Tage. Mit diesen Angaben ermitteln wir die CO₂-Bilanz der anstehenden Tagung so genau wie möglich. Einige Energiedaten muss Heike noch beim Hausmeister abfragen. Die Art der Verkehrsmittel, mit denen die rund 200 TeilnehmerInnen an- und abreisen, können wir erst auf der Konferenz abfragen. Denn die Jugendklimakonferenz, die vom 14.-16. Februar 2014 auf dem Koppelsberg am Plöner See stattfindet, soll ihrem Namen alle Ehre machen und selbst so klimafreundlich wie möglich durchgeführt werden.


Vermeiden, reduzieren, kompensieren


Die Infostelle Klimagerechtigkeit des Zentrums für Mission und Ökumene in Hamburg gibt es seit 8 Jahren. Wir bieten Aufklärung und Bildungsarbeit rund um das Thema Klimagerechtigkeit an. Um den Treibhauseffekt weltweit einzudämmen, ist ein Dreischritt wichtig: Am besten ist es, Emissionen zu vermeiden. Wenn das nicht geht, müssen sie so weit wie möglich reduziert werden. Für die unvermeidbaren Emissionen muss der Verursacher am Ende Verantwortung übernehmen. Über die Klima-Kollekte - dem kirchlichen Kompensationsfonds - ist es möglich unvermeidbare Emissionen zu berechnen und über den Kauf von Zertifikaten eines Klimaschutzprojektes auszugleichen, also zu „kompensieren“. Dabei entspricht ein Zertifikat der Reduktion von einer Tonne CO₂. Auswahl und Umsetzung der Projekte erfüllen den „Gold Standard“: Er garantiert, dass die Gelder ausschließlich in erneuerbare Energien fließen oder dafür sorgen, dass eingesetzte Energie effektiver genutzt werden kann (z.B. durch die Nutzung energieeffizienter Öfen).

Vor zwei Jahren haben wir selbst zum ersten Mal eine klimafreundliche Veranstaltung durchgeführt. Seitdem melden sich immer mehr Leute bei uns, die selbst im Bereich Klima-, Umweltschutz oder Nachhaltigkeit tätig sind und ihre eigenen Veranstaltungen klimafreundlich durchführen wollen. Deshalb beraten wir inzwischen Organisationen und Einzelpersonen zur Vorbereitung, Durchführung und Auswertungen von Tagungen und Workshops.

Um CO₂-Emissionen zu vermeiden, spielen etwa folgende Fragen eine Rolle:

  • Können wir Anreize schaffen, dass möglichst viele TeilnehmerInnen mit Bus und Bahn anreisen? Zum Beispiel, indem wir kostenlose ÖPNV-Tickets anbieten, Shuttleservices organisieren, oder eine geringere Teilnahmegebühr für alle erheben, die mit dem ÖPNV angereist sind.
  • Ist der Veranstaltungsort gut an öffentliche Verkehrsmittel angebunden? Sind die Anfangs- und Endzeiten der Veranstaltung auf die öffentlichen Verkehrsmittel abgestimmt?
  • Muss die Veranstaltung unbedingt per Post und Plakaten beworben werden oder reicht Online-Werbung aus, um Papier zu sparen?
  • Können wir für das Essen einen Caterer aus der Umgebung finden, der saisonale und regionale Gerichte möglichst aus ökologischem Anbau anbietet und kein Einweggeschirr benutzt?
  • Nehmen wir vegetarisches Essen als Standardvariante?

Wir haben eine Checkliste entwickelt und bieten Workshops an, in denen jede/r ganz praktisch lernen kann, wie man die CO₂-Bilanz einer Veranstaltung berechnet. Von großem Nutzen ist hierfür der Online-Rechner der Klima-Kollekte: Wenn man ihn mit den Energiedaten, dem Papierverbrauch, Verkehrsmitteln und Mahlzeiten füttert, berechnet er die Emissionswerte in Euro und Cent.

Beim Essen wird es allerdings kompliziert: Theoretisch kann man von jedem Gericht den CO₂-Wert ermitteln. Aber dann müsste man für einen Kuchen die Eier, das Mehl, die Butter usw. zusammensuchen. Um den Aufwand in Grenzen zu halten, gibt es mittlerweile CO₂-Standardwerte für Mahlzeiten, die nicht nach Zutaten unterscheiden, sondern nur danach, ob ein Essen kalt oder warm, vegetarisch oder fleischhaltig, saisonal und bio oder nicht ist.

Auf der Jugendklimakonferenz wurden nicht nur wichtige Forderungen an die kommende Klimasynode verabschiedet. Die Mitglieder des Orgateams und die TeilnehmerInnen haben auch erfahren, was sie selbst zur Reduktion von CO₂-Emissionen beitragen können – auch wenn die penible Erfassung und Auswertung der Daten sicher nicht für jede/n den höchsten Spaßfaktor hatte. Die unvermeidbaren Emissionen der Tagung lagen bei  6.200 kg Kohlendioxid, pro Kopf sind das 31 kg CO₂. Das ergibt einen Ausgleichsbetrag von 144 Euro, der zum Beispiel für die Finanzierung tragbarer Solarlampen in Indien genutzt werden kann.

So weit wie die Jugendklimakonferenz ist die Synode der Nordkirche noch nicht. Die unvermeidbaren Emissionen der letzten Synodaltagung, die wir von der Infostelle Klimagerechtigkeit berechnet haben, lagen, bei vergleichbarer TeilnehmerInnenzahl und Tagungslänge, bei 17.600 kg Kohlendioxid bzw.79 kg CO₂ pro Kopf. Dies entspricht einem Ausgleichsbetrag von rund 400 Euro. Insbesondere im Bereich der Anreise sind die Jugendlichen einen Schritt weiter als die Synode. Durch die vermehrte Nutzung von Bus und Bahn sowie Mitfahrtgelegenheiten ließen sich im Bereich Mobilität bis zu 50% der Emissionen einsparen. Aber nicht nur in Mobilitätsfragen wird sich die Synode auf den Weg machen und hoffentlich bald dem Vorbild der Jugendklimakonferenz nacheifern. Denn die Nordkirche hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Es bleibt also genug zu tun.


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