


Schöpfung in Zeiten des Klimawandels – ein Theologisches Symposion der Klimakampagne der NEK
Noch keine Woche war seit dem Theologischen Symposion vergangen, das am 13. und 14. Januar 2012 in Güstrow stattgefunden hatte, als einige der Teilnehmenden sich am Rande einer Sitzung lebhaft über den Ertrag des Symposions unterhielten: Was war nun eigentlich der Ertrag? Gab es so etwas wie ein Ergebnis der theologischen Tagung? Haben wir in Güstrow das Spektrum theologischer Aspekte, die mit dem Klimawandel verbunden sind, in umfassender und hinreichender Weise bearbeitet? Oder sind nicht doch noch wesentliche Fragen offengeblieben, die auf weiteren theologischen Veranstaltungen aufgegriffen werden müssen?
Diese Fragen sind bereits ein erstes Teilergebnis des Theologischen Symposions „Schöpfung in Zeiten des Klimawandels“: Die Veranstaltung hat Lust auf mehr gemacht – Lust auf mehr Reflexion der biblischen Schöpfungstheologie, Lust auf mehr Beiträge zum wissenschaftlichen Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften und nicht zuletzt Lust auf mehr kontextuelle, kulturelle, konfessionelle sowie interreligiöse Perspektiven auf den Klimawandel.
Damit ist schon der thematische Bogen umschrieben, der in Güstrow geschlagen wurde. An dessen Anfang stand Prof. Dr. Thomas Naumann (Uni Siegen) mit einem biblisch-theologischen Beitrag, der in sehr schöner, ausdrucksstarker Sprache an der biblischen Überlieferung – besonders sei hier Naumanns Verweis auf Hosea 4 erwähnt - aufzeigte, dass und wie gerade in unserer Zeit menschliche Gewalt gegen die permanente Anstrengung Gottes wirkt, diese Welt zu erhalten und sie nicht untergehen zu lassen.
Wie kann die Tiefe und Schönheit der aus biblischen Glaubensgründen erfolgenden Rede von Gott in ihrer Relevanz für naturwissenschaftlich gewonnene Erkenntnisse fruchtbar gemacht werden, war eine zentrale Fragestellung im Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Nethöfel (Uni Marburg), der unter dem Kriterium „Wie nachhaltig ist unsere Theologie“ einen Weg skizzierte „von der schöpfungstheologischen Anwendung zum Theologiewandel“. Besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben ist mir Nethöfels Argumentation mit dem Nichtbeliebigen. Danach kann Natur als das aufgefasst werden, was nichtbeliebig auf Hypothesen antwortet, und demzufolge schließt der notwendige Theologiewandel eine Kausalität nichtbeliebiger Koppelung ein, so dass eine theologische Aussage auf eine so feste, eben „nichtbeliebige“ Weise mit einer naturwissenschaftlichen verbunden ist wie die eine Seite einer Münze mit der anderen.
Zu klaren und unmissverständlichen Aussagen zu kommen, ist nicht nur im Gespräch mit den Naturwissenschaften, sondern auch in anderen, durchaus sehr unterschiedlichen Sinnzusammenhängen, ein besonders lohnendes Empfangen christlicher Theologie. Dies zeigte Dr. Klaus Schäfer, der Direktor des „Zentrums für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit“, in seinem Beitrag über „Theologische Reflexionen aus der Sicht der Kirchen im Süden“ auf, den er stellvertretend für den renommierten kenianischen Theologen Prof. Dr. Jesse Mugambi hielt, dem das Einreisevisum in die EU bzw. nach Deutschland verweigert worden war. Eindrücklich referierte Dr. Schäfer die gerade in den rohstoffreichen Ländern des südlichen Afrikas gewonnene theologische Einsicht, der zufolge zwar alle für den Kampf gegen die Erderwärmung Verantwortung, jedoch unterschiedliche Verantwortlichkeiten wahrzunehmen haben. Nicht Wohltätigkeit (charity) begründet die Unterstützung der vom Klimawandel besonders schwer Betroffenen, sondern Fairness und Billigkeit - zwei zentrale Aspekte der Klimagerechtigkeit.
Ein weiteres Beispiel, wie unter Bezugnahme auf regionale Zusammenhänge, Lösungsansätze für globale Probleme entwickelt werden, lieferte Dr. Katrin Fiedler, Ostasienreferentin im „Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit“ und Mitarbeiterin der China-Infostelle, mit der Vorstellung des beim EMW erschienen Sammelbandes „Ökologische Perspektiven in China. Beiträge aus Kultur, Religion und Zivilgesellschaft“.
Bevor die Teilnehmenden am Ende des Symposions Anliegen für die Nordkirchen Synode im März 2012 zusammentrugen, stand ein weiterer Höhepunkt der theologischen Arbeit in Güstrow an: Halima Krausen (Hamburg), islamische Theologin und Imam, und Dr. Wolfgang Seibert, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Pinneberg, reflektierten und kommentierten die bis dahin erfolgte Arbeit des Theologischen Symposions. Dieser spannende und höchst interessante Programmpunkt rundete die Veranstaltung nicht nur inhaltlich ab, weil sich hier zeigte, wie wir alle gemeinsam und doch auf sehr unterschiedliche Weise vom Klimawandel betroffen und theologisch herausgefordert sind, sondern vor allem auch, weil an dieser Stelle des Symposions noch einmal und ganz besonders stark die „Lust auf mehr“ aufkam.
Pastor Martin Haasler,
Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit,
Referat für Theologie und Nachhaltigkeit