Nordelbische Kirche
Klimakampagne
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(Breklum) - „Mitreden – Mitgestalten - Mitverantworten „, das sind nach Meinung des Beirates der Nordelbischen Klimakampagne Themen, die beim Umbau zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Gesellschaft beachtet werden müssen. Vor allem die derzeit notwendigen Bemühungen um den Ausbau des Höchstspannungsnetzes (380-kV-Netz) verlangten, so der Vorsitzende des Beirates, Bischofsbevollmächtigter Gothart Magaard, bei einer Tagung am 31. Januar im nordfriesischen Breklum, ein Einbeziehen der BürgerInnen. Nur so komme man schnell voran und könne das bestmögliche Ergebnis für die Menschen und die Natur erzielen.
Ein ungewöhnliches Lob an die Landesregierung gab es gleich zu Beginn: in keinem anderen Bundesland, so Ingrid Nestle, Abgeordnete der GRÜNEN im Bundestag, sei die Bürgerbeteiligung beim Netzausbau so optimal. Gleichwohl könne man es noch besser machen, denn derzeit seien vor allem kommunale Politiker und Vertreter der Windbranche umfassend eingebunden, durchaus aber nicht alle Betroffenen.
Dr. Markus Hirschfeld aus dem Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein sah dies durchaus ähnlich: er stellte das Konzept der Bürgerbeteiligung vor, das derzeit laufe und bereits jetzt zu Trassen-Vorschlägen geführt habe, auch wenn diese noch recht unbestimmt seien. Die BürgerInnen müssten auf verschiedenen Wegen erreicht werden, man müsse ihnen Zeit lassen und vor allem auch den bisherigen Debattenverlauf transparent machen. Betroffenheiten ergäben sich vor allem auf lokaler Ebene und in manchen Fällen zeichne sich bereits ab, dass es zu Güterabwägungen und Grundentscheidungen kommen müsse: ganz konfliktfrei, so wurde deutlich, wird es nicht abgehen.
Als Fachmann für solche Dialoge mit den BürgerInnen redete schließlich Joachim Lück vom Institut für Kommunikation und Umweltplanung (IKU) aus Dortmund. Er strich heraus, welche Prinzipien nach seinen Erfahrungen leitend sein müssten, um im Einvernehmen mit den BürgerInnen zu einer Entscheidung zu gelangen: so müsse man die Interessen der Betroffenen erkennen, Informationen glaubhaft und verständlich darlegen, den Nutzen der Maßnahme aufzeigen und vor allem Kritiker zu Wort kommen lassen. Man habe als Verantwortlicher auch unbedingt damit zu leben, dass immer wieder Menschen neu in die Debatte einsteigen.
In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum ging es mehrfach um die Notwendigkeit des Netzausbaus: sei nicht z.B. mit mehr Erneuerbaren auch im Süden zu rechnen, so dass solche Leitungen überflüssig würden? Das sahen die Fachleute durchaus anders und verwiesen u.a. auf die vielen Zwangsabschaltungen von Wind- und Solaranlagen im Norden, die im letzten Jahr zu Schäden von 18 Millionen Euro allein in Schleswig-Holstein geführt hätten. Im Moment sei der Netzausbau auch der deutlich einfachste und billigste Weg, die „Energiewende“ in Deutschland zu schaffen.
Ausdrücklich gelobt und weiter erwünscht wurde die Rolle der Kirche bei diesem Thema: sie stünde, so Dr. Hirschfeld, nicht unter dem Verdacht der Parteilichkeit und sei daher wertvoll in der Diskussion. Ähnlich beurteilte auch Ingrid Nestle die Rolle der Kirche als „unverdächtige Institution“ in einem Feld, auf dem es durchaus noch einige Konflikte geben könne. Dr. Sonja Peterson vom Kieler Weltwirtschaftsinstitut betonte in diesem Kontext noch einmal das große Thema, um das es eigentlich ginge: zu Fortschritten beim Klimaschutz kommen und „mit weniger Emissionen ein gutes Leben führen“.
(Text: Dr. Thomas Schaack; Foto: Gabi Schoenemann / pixelio.de)