Nordelbische Kirche
Klimakampagne
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Ratekau (epd) - Die wiedereröffnete Feldsteinkirche von Ratekau (Kreis Ostholstein) wird in den Wintermonaten kalt bleiben - und dennoch sollen die Besucher nicht frieren. Ein neues klimaschonendes Heizkonzept mit Erdwärme soll für ein angenehmes Raumklima sorgen und die Heizkosten auf ein Zehntel senken. Mit einem Festgottesdienst wurde die mittelalterliche Dorfkirche nach drei Jahren Bauzeit wieder eröffnet.
Ihre vielen alten Dorfkirchen stellt die Nordelbische Kirche gleich vor mehrere Herausforderungen: Die Heizkosten werden für die Gemeinden immer teurer. Zugleich schädigen warme Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit Orgeln, Altäre und wertvolle Kunstwerke. Zudem will die Kirche ein Zeichen für den Klimaschutz setzen. Nach dem alten Heizsystem aus den 70er Jahren wird die Luft in den ansonsten kalten Kirche für den Gottesdienst auf 16 Grad Celsius erwärmt und kühlt danach wieder ab.
In Ratekau wurde mit Hilfe der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ein wissenschaftliches Klima-Projekt gestartet: An kalten Wintertagen wird die Temperatur im Gottesdienst nicht über zwölf Grad Celsius steigen. Allerdings soll unangenehme Zugluft ebenso verhindert werden wie Fallwinde, die entstehen, wenn warme Luft auf kalte Außenwände trifft. Trockene Luft sorgt nicht nur für ein angenehmes Raumklima, sondern schont auch Orgel und Kunstwerke.
Beheizt wird die mittelalterliche Kirche allein mit Erdwärme, für die zwei 30 Meter lange Schächte ins Erdreich gebohrt wurden. Damit wird nicht nur der Fußboden erwärmt, sondern auch das Auskühlen der Wände verhindert. Die klimafreundliche Heizung soll eine dauerhafte Temperatur von acht Grad Celsius garantieren. Ein Teil der Erdwärme wird gespeichert, um die Temperatur für Gottesdienste auf zwölf Grad Celsius zu erhöhen. Die Baukosten liegen noch unter den veranschlagten 140.000 Euro.
Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Bis Ende 2012 werden Daten zu Wetter, Heizleistungen und Luftfeuchtigkeit erhoben. Außerdem werden die Besucher im Winter befragt. Zugute kommt die Auswertung auch der Kirchengemeinde Gudow im Kreis Herzogtum Lauenburg, die ihren Umbau noch vor sich hat.
Eingebettet war der Einbau der Heizung in eine 1,7 Millionen Euro teure Grundsanierung. Zeitweilig hatte für die Feldsteinkirche Einsturzgefahr bestanden, und auch der Turm hatte sich bereits geneigt. Das Fugenwerk wurde mit einem Gips ausgebessert, wie er Mitte des 12. Jahrhunderts am Segeberger Kalkberg gewonnen wurde. Außerdem wurde der Dachstuhl saniert und das Dach neu gedeckt. Knapp eine Million Euro kam aus dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung. Prominenter Gast der Feier war der Autor und gebürtige Ratekauer Bastian Sick („Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“), dessen Großvater hier Pastor war.
Kirche von Ratekau (Foto: Bera/www.wikipedia.de)