Kirche für Klima – Die Klimakampagne der Nordelbischen Kirche

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BürgerInnen-Forum

und den Konsequenzen einer Energiewende für Leben und Arbeiten in Nordfriesland „Ethik-Kommission Nordfriesland“ (Kurzfassung)

Im April und Mai 2011 haben sich Bürgerinnen und Bürger aus Nordfriesland drei Mal im Christian Jensen Kolleg in Breklum getroffen und ihre energiepolitischen Vorstellungen diskutiert. Die TeilnehmerInnen sehen ihre Verantwortung für die bundesdeutsche und die globale Debatte. Sie wollen aber auch einen Impuls aus einer Region geben, die in den letzten Jahren im Jahresmittel einen Selbstversorgungsgrad von 170% mit erneuerbar produziertem Strom erreicht hat und sich seit geraumer Zeit gegen ein CO2-Endlager in ihrer Region ausspricht. Sie sehen sich als BewohnerInnen einer Region, die die gegenwärtig diskutierte „Energiewende“ längst begonnen hat und weiter daran arbeiten wird.
1. Ethischer Impuls
Die Nutzung der Atomkraft zur Energiegewinnung birgt immense Probleme. Wie spätestens die Unfälle von Tschernobyl und Fukushima erwiesen haben, sind die Risiken, die in Kauf genommen werden müssen, nicht zu akzeptieren. Der laufende Betrieb bringt radioaktive Abfälle mit sich, für die auch nach Jahrzehnten in Deutschland kein Endlager gefunden oder auch nur in Sicht ist. Der Nutzung von fossilen Energien verdanken wir die Lebensqualität, die wir heute erreicht haben. Trotzdem wissen wir heute, dass wir dadurch einen gefährlichen Klimawandel schon erzeugt haben und weiterhin erzeugen.
2. Keine Zukunft für die Atomkraft
2.1. Wir treten für die dauerhafte Abschaltung der im Zuge des „Moratoriums“ stillgelegten Kernkraftwerke ein. Für die anderen Anlagen ist ein Ausstieg zu gestalten, der bis spätestens 2017 in Deutschland zu einem Ende der Stromerzeugung aus Kernkraftwerken führt.
2.2. Für die hochradioaktiven Abfallstoffe aus Atomanlagen ist ergebnisoffen und im gesamten Bundesgebiet ein Zwischen- und Endlager zu suchen.
2.3. Der Umgang mit dem Personal, das in der Erneuerbare-Energien-Branche beschäftigt ist, muss zum Gegenmodell für die Arbeitsverhältnisse von „Liquidatoren“ und „Aufräumarbeitern“ werden.
3. Keine Zukunft für die Kohlekraft
3.1. Stromerzeugung auf Grundlage fossiler Energieträger kann keine Zukunft haben: wegen des Klimawandels kann sie nur noch für eine Übergangszeit genutzt werden.
3.2. Die CCS-Technologie versucht die Kohlekraft „grün“ zu machen. Wir halten das für eine technologische und finanzielle Sackgasse.
3.3. Für eine Übergangszeit sind Gaskraftwerke akzeptabel, da sie regelbarer sind und eine geringere spezifische CO2-Belastung bedeuten.
4. Erneuerbare stark machen
4.1. Erneuerbare Energien stellen eine technisch beherrschbare Alternative zur Stromerzeugung aus Kernkraft oder Kohle dar. Störungen oder menschliche Fehler sind tolerierbar. Die Erneuerbaren Energien sind dezentral, fördern den ländlichen Raum und können die Marktmacht weniger Konzerne am Energiemarkt, die wir seit langer Zeit in Deutschland haben, aufbrechen.
4.2. Erneuerbare Energien sind in absehbarer Zeit auch wirtschaftlich konkurrenzfähig.
4.3. Der einfachste Weg für eine deutliche Entlastung der CO2-Emissionen jedes Haushalts ist der Grüne Strom. Wir sind verständnislos, dass z.B. das Land Schleswig-Holstein keinen Grünen Strom bezieht und damit regionale Produkte unseres Bundeslandes boykottiert.
5. Effizient wirtschaften
5.1. Das beste Kraftwerk ist das, das gar nicht erst gebaut werden muss. 5.2. Die Politik sollte den Menschen klar machen, dass die Steigerung der Energieeffizienz eine Aufgabe ist, die von jedem geleistet werden kann und muss. 5.3. Neben der Steigerung der Energie-Effizienz ist auch die Frage nach dem Genug wichtig. Sie muss breit diskutiert werden, auch wenn sie zunächst unpopulär ist. Wir erwarten von Politikern und anderen Verantwortlichen den Mut, den Lebensstandard kritisch infrage zu stellen. 5.4. Die umweltschädlichen Subventionen, die 2008 allein auf Bundesebene einen Umfang von 48 Milliarden Euro hatten, müssen zügig abgebaut werden.
6. Energie verteilen Wir benötigen einen erheblichen und zügigen Netzausbau in Deutschland.
7. Politischen Einfluss wahrnehmen
7.1. Der Kreis Nordfriesland hält einen Anteil von 1,84% an der E.ON Hanse AG. Der Kreis sollte die schleswig-holsteinischen Landkreise auffordern, mit ihrem Anteil von 26,2% des Stammkapitals der E.ON Hanse AG, ihren Einfluss auf die energiepolitische Ausrichtung des Unternehmens wahrzunehmen. 7.2. Die öffentlichen Einrichtungen sollten ihren Vorbildcharakter deutlicher wahrnehmen. 7.3. Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich weiterhin für Ihre Anliegen einzusetzen und kritisch oder unterstützend Einfluss auf die Politik zu nehmen.
8. Mut zu Veränderungen
8.1. Die Energiewende wird von allen Bürgerinnen und Bürgern einiges verlangen: sie sind es, die entscheiden, was sie konsumieren. 8.2. Die Energiewende bedeutet auch, sich auf Veränderungen in der Energieversorgung einzulassen. Wir wissen aber, dass dies einer nachhaltigen Entwicklung Deutschlands dienen kann und positive Effekte haben wird.

Beschluss der „Ethik-Kommission Nordfriesland – BürgerInnen-Forum“ vom 18. Mai 11.
Die Abschlusserklärung finden Sie in voller Länge hier.
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Textredaktion: Dr. Thomas Schaack, Friedemann Magaard, Breklum