Nordelbische Kirche
Klimakampagne
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Drei Jahre für Klimaschutz und weltweite Klimagerechtigkeit
Vor rund 400 Gästen , darunter fast 50 aus nordelbischen Partnerkirchen in Tansania, Kenia, Lateinamerika, Estland und dem Pazifik, hat Bischöfin Maria Jepsen an diesem Sonnabend in Breklum die Klimakampagne der Nordelbischen Kirche eröffnet: „Ich wünsche mir, dass die Kampagne möglichst viele Kirchengemeinden, Dienste und Werke unserer Kirche anregt, auf vielfältige Weise die Kohlendioxid-Emissionen zu senken. Wenn wir bewusster mit den uns anvertrauten Ressourcen umgehen, muss das nicht nur Einschränkungen bedeuten. es kann auch einen Gewinn an Lebensqualität zur Folge haben“, so Jepsen. Die Bischöfin für den Sprengel Hamburg-Lübeck, die zugleich die nordelbische Ökumene-Bischöfin ist, hisste gemeinsam mit dem Leiter der Kampagne, Pastor Jan Christensen, eine Flagge mit der Aufschrift ‚Kirche für Klima’, dem Motto der Kampagne. „Überall auf der Welt verändert sich das Klima“, sagte sie, „im Pazifik, in Bangladesh, in Tansania. Das sind Veränderungen, für die wir selbst verantwortlich sind. Dagegen können wir etwas tun. Wir können Klimagerechtigkeit einfordern und ihr entsprechen.“ Anschließend überreichte die Bischöfin symbolische Gaben an Kirchenvertreter, die verantwortlich an den Zielen der Klimakampagne mitarbeiten.
Ebenfalls beteiligt an der Eröffnung war Rev. Baranite Kirata von der Kiribati Protestant Church im Pazifik. Der Theologe leitet dort das Programm „Church in Society“. Zu dem Inselstaat gehören 33 Atolle, die teilweise nur ein bis zwei Meter über dem Meersspiegel liegen. Diese sind bereits von Überflutungen bedroht und wurden deshalb evakuiert. „Wir sind ein kleines Land und wir haben nur eine kleine Stimme in der Welt“, so der Klimaexperte aus Mikronesien. „Es ist gut, dass es Menschen im Norden gibt, die uns kennen, mit denen wir uns austauschen und die die Stimme für uns erheben.“
Auf einem kontrovers besetzten Podium diskutierten im Anschluss verschiedene Experten zum Thema Welt –Klima-Wandel: Wege in eine gemeinsame Zukunft?. Dabei waren - neben Baranite Kirata und Jan Christensen - Karsten Smid, Fachmann für Klimafragen bei Greenpeace, und Dr. Hans-Hartmut Euler vom Ministerium für ländliche Räume in Kiel. Im Verlauf der Diskussion betonte Kirata, dass sich alle Menschen auf der ganzen Welt an verbindliche Absprachen halten müssten, um die Bedrohungen durch den Klimawandel abzuwenden: „Was im Norden passiert, beeinflusst den Süden - und umgekehrt. Wir sind ein Menschheitsvolk, das verantwortlich ist für unser Klima.“ Karsten Smid formulierte Erwartungen und Forderungen an die Politik: „Die Techniken für den Klimaschutz sind alle da und umsetzbar“, so der Greenpeace-Fachmann. „Es ist eine zentrale Frage der Politik, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um diese technischen Möglichkeiten auch umsetzen zu können.“ Auch Hans-Hartmut Euler vom Kieler Umweltministerium bestätigte, dass in Schleswig-Holstein, wo Windenergie bereits zu 40 Prozent genutzt wird, deutlich mehr Leitungen für regenerative Energien gebaut werden müssten.
Die Kampagne startete im Rahmen des Jahresfestes der Ökumene im Christian Jensen Kolleg im nordfriesischen Breklum. Bereits zum zweiten Mal wurde das Jahresfest, das eine über 130jährige Tradition hat, gemeinsam vom Nordelbischen Missionszentrum (NMZ), Christian Jensen Kolleg (CJK), dem Evangelischen Regionalzentrum Westküste (ERW) und der Kirchengemeinde Breklum getragen. Der weltweite Klimawandel und Klimagerechtigkeit zwischen Nord und Süd standen thematisch im Mittelpunkt der Veranstaltung. Im sogenannten Weltdorf präsentierten sich neben verschiedenen Klima-Initiativen auch Anbieter von erneuerbaren Energien. Firmen und Institutionen informierten über neue Technologien. Mehrere Workshops erarbeiteten am Nachmittag die Leitfrage aus internationaler, theologischer, ernährungs- und umweltpolitischer Perspektive.
Während des Jahresfestes wurde eine Themen-Partnerschaft begründet zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde auf der Hallig Langeness und Lutherischen Christen auf den Pazifik-Atollen. Pastor Matthias Krämer von Langeness undd Branite Kirata tauschten sich aus über die Situation der Menschen in ihren Kirchengemeinden, die gleichermaßen vom steigenden Meeresspiegel bedroht sind. „Wir teilen eine Lebenswirklichkeit“, so Matthias Krämer, „und ich freue mich, wenn wir unseren Austausch verstärken können.“
Gothart Magaard, der Bischofsbevollmächtigte im Sprengel Schleswig und Holstein, hielt im nachmittäglichen Gottesdienst die Predigt. Am Rande des Jahresfestes sagte er dem epd: „Ich freue mich über die Wahl des Mottos Welt-Klima-Wandel. Als Industrienation mit hohem CO2-Ausstoss haben wir, um der Klimagerechtigkeit willen, die Verantwortung voranzugehen. Dazu möchte die Nordelbische Kirche mit der Klimakampagne einen Beitrag leisten. Menschen rund um den Globus sind aufgerufen, gemeinsame Lösungen zu finden und zu verbindlichen Absprachen zu kommen. Hier kann die Ökumene, das weltweite geschwisterliche Miteinander von Christinnen und Christen, wichtige Impulse geben. ? Ein besonderer Beitrag unseres gemeinsamen christlichen Glaubens liegt darin, die Welt und ihre Ressourcen als Gottes Schöpfung zu würdigen und entsprechend zu behandeln. Hierzu kann jeder Mensch an jedem Ort etwas tun.?
Die Kampagne
Kirche für Klima, die Klimakampagne der Nordelbischen Kirche, soll drei Jahre lang die Themen von Klimaschutz und weltweiter Klimagerechtigkeit in der Nordelbischen Kirche aufgreifen, informieren und vor allem zu konkreten Schritten anleiten. Ziel der Klimakampagne ist, den CO2-Ausstoß der Nordelbischen Kirche bis zum Jahr 2015 um 25 Prozent zu senken (verglichen mit dem Jahr 2005). Einsparerfolge sollen vor allem erzielt werden in den Bereichen Gebäude, Mobilität und Beschaffung. Hier sind verschiedene Schritte vorgesehen. Dazu gehören zum Beispiel ein Klimakonzept, das alle Emissionen ermittelt und aufzeigt, wo und wie viel gespart werden kann, ein Energie-Controlling in den rund 5.000 kirchlichen Gebäuden in Hamburg und Schleswig-Holstein, neue Gebäudenutzungspläne und der Umstieg auf Grünen Strom.
Neben diesen Maßnahmen geht es der Kampagne darum, sich theologisch verstärkt mit Umwelt und Schöpfung zu beschäftigen sowie über Klimagerechtigkeit im internationalen Kontext zu informieren. Hier wird sie mit den Nordelbischen Partnerkirchen in aller Welt zusammenarbeiten. Finanziert wird die Kampagne mit Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes aus dem Hauptbereich 4 ? Mission und Ökumene ? der Nordelbischen Kirche. Für 2012 ist bereits eine Tagung der Nordelbischen Synode zur Klima-Thematik geplant. Im Sommer 2013 soll die ‚Kirche für Klima’-Kampagne ihren Abschluss finden im Rahmen des Deutschen Evangelischen Kirchentages und der Internationalen Gartenschau in Hamburg.
Zusammenarbeit, Vernetzung und Kooperation
In Hamburg gibt es darüber hinaus eine Partnerschaft zwischen der Nordelbischen Kirche und dem Senat der Hansestadt, der für sieben nordelbische Klimaschutz-Projekte 1,27 Mill. Euro aus dem Konjunkturprogramm II zur Verfügung stellt. So ist zum Beispiel die evangelische Kindertagesstätte in Rissen, für die am 18. Juni 2010 der Grundstein gelegt wurde, die erste Passivhaus-Kita in Hamburg. Mit ihren rund 1.700 Gebäuden in Hamburg ist die Evangelische Kirche ein strategisch wichtiger Partner der Landesregierung.